Frage der Woche (37): Morgens halb zehn in Ottensen – was passiert da in Eurem Quartier?

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Jede Woche beantworten die Stadtteilreporter eine Frage zu ihrem Viertel. Diesmal erzählen sie, wie es morgens um halb zehn in ihrem Quartier aussieht. Was für Leute sind da unterwegs und was tun sie typischerweise? Wo ist das Viertel noch ein bisschen verschlafen, wo herrscht schon geschäftiges Treiben? Hier stellen unsere Stadtteilreporter stellen einen ganz normalen Morgen in ihrem Quartier vor.

Stadtteilreporter Julian Hinz:

Halb zehn in Ottensen – da sitzen die Menschen in den Cafés und genießen den ersten Milchkaffee des Tages (Symbolbild: pa)

Halb zehn in Ottensen – da sitzen die Menschen in den Cafés und genießen den ersten Milchkaffee des Tages (Symbolbild: pa)

Wer morgens um halb zehn durch Ottensen schlendert, der wird einen sehr lebendigen Eindruck vom Stadtteil bekommen. Denn auf der einen Seite öffnen die ersten Läden, der Gemüsehändler baut seine Auslage auf, der Friseur stellt den Aufsteller raus und vorm Bärentreff werden die ersten Süßigkeiten verteilt. Auf der anderen Seite sitzen viele Menschen in den Cafés und frühstücken, genießen die Sonnenstrahlen oder wärmen sich die Hände am ersten Milchkaffee des Tages.
Die Straßen sind voll mit Kinderwagen und Kleinfamilien, die versuchen, nach einer zu kurzen Nacht an der frischen Luft neue Energie zu tanken.


Aus den Supermärkten strömen die ersten Kunden, die vor der Arbeit noch einkaufen mussten und damit das abendliche Gedränge und Angestehe vermieden haben.
Die Sportlichen beginnen ihre morgendliche Jogging-Runde an der Elbe und machen allen Nicht-Sportlern ein schlechtes Gewissen.
Ich erlebe das Quartier leider viel zu selten zu dieser Zeit: Dem Klischee entsprechend schlafe ich als Student um die Uhrzeit noch, oder ich sitze schon brav seit Sonnenaufgang in der Bibliothek oder beim Praktikum.
Ich weiß aber sicher, dass ich später zu den Menschen in den Cafés gehören will, die in Ruhe frühstücken können, weil ihre Arbeitszeiten flexibel und trotzdem reich entlohnt sind.
Für Tipps oder direkte Angebote für eine solche Stelle bin ich äußerst dankbar.

In diesem Sinne, welcher Gruppe Sie auch immer angehören, einen guten Morgen in Ottensen!


Aichan Tziantrima, der Besitzer des Biokiosk (Bild: C. Ritgen)

Aichan Tziantrima, der Besitzer des Biokiosk (Bild: C. Ritgen)

Stadtteilreporterin Caroline Ritgen:

Morgens um halb zehn in Ottensen fragen die Anwohner im „Biokiosk 2b“ in der Arnkielstraße 15 (Ecke Langenfelder Straße) nach Eiern und laktosefreien Brötchen – „ofenfrisch und warm natürlich“, erzählt der Inhaber Aichan Tziantrima.

Zusammen mit seinem Zwillingsbruder Grüney hat der junge Grieche den Laden vor neun Monaten eröffnet. Der Biokiosk laufe gut, berichtet der 26-jährige Jungunternehmer.

„Sonnabends kommen die Leute sogar im Schlafanzug zum Schnacken vorbei,“ erzählt er lachend. „Für die Bauarbeiter aus der Nachbarschaft gibt’s unter der Woche ab 11.00 Uhr frische Bockwürstchen, Kartoffelsalat oder französischen Croque.“

Manchmal, so wie gestern, schneit auch um fünf vor zwölf eine gestresste Stadtteilreporterin herein und wünscht einen Kaffee und ein Taxi. Um ein Taxi zu bestellen, muss Aichan als registrierter Stammkunde lediglich ein paar Tasten am Telefon drücken, ohne mit der Taxizentrale zu sprechen. „In vier Minuten ist es da,“ leitet er mir die Botschaft der automatischen Ansage weiter. Aus vier Minuten werden zehn. „Können Sie mich in die Neue Große Bergstraße bringen?“, frage ich den Fahrer. „Klar“, sagt der, braucht jedoch dann vier Minuten, um sein Taxi zu wenden und biegt in die falsche Richtung, Richtung Holstenstraße ab. „Am besten fahren wir die Max-Bauer-Allee runter“, mache ich ihn auf den Fauxpas aufmerksam, während im Radio zufällig die Ergebnisse vom großen Taxi-Test des ADAC gemeldet werden: „Von 22 getesteten Städten landen Hamburgs Taxis auf Platz elf – wegen enorm langer Fahrtzeiten und großer Umwege.“ Stille im Taxi. Dann lande ich in der Großen Bergstraße. „Ich wollte in die Neue Große Bergstraße“, teile ich meinem Fahrer mit. „Die gibt’s nicht“, meint dieser. Ich schaue ihn fragend an. Schweigen. „Moment. Ich schau im Stadtplan nach“, schlägt er vor und beginnt das Blättern. „Nicht nötig. Neue Große Bergstraße steht dort auf dem Straßenschild“, lese ich vor und zeige auf den Wegweiser zehn Meter vor uns. In diesem Moment fällt es meinem Fahrer wie Schuppen von den Augen. Stille. Ich trinke erst einmal einen großen Schluck von Aichans Kaffee zum Mitnehmen. „Moment. Ich fahre Sie an den Anfang“, sagt mein armer Taxifahrer, der seine Sache wohl wieder gut machen will, und startet einen neuen Wendeversuch. „Oh nein“, denke ich und steige schnell aus. Wenigstens bietet er von sich aus an, für diese Chaos-Fahrt aus Kulanz nur fünf Euro zu nehmen.

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Ein Kommentar zu Frage der Woche (37): Morgens halb zehn in Ottensen – was passiert da in Eurem Quartier?

  1. karl-otto schill sagt:

    Vor allen Dingen ist die Arnkielstrasse ja auch in Ottensen.

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