Zu Gast beim Gewandmeister

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Gewandmeister Thorsten Schön an seinem Arbeitsplatz (Bilder: V. Urmersbach)

Gewandmeister Thorsten Schön an seinem Arbeitsplatz (Bilder: V. Urmersbach)

Dass Ottensen ein Handwerkerdorf war und bis heute auch noch viele Handwerker hier wohnen und arbeiten, gerät vor lauter Gentrifidingsbums-Gejammer leicht aus dem Blick. Umso mehr freute ich mich, im Rahmen der Altonale den Gewandmeistern von „Hüte & Kostüme“ in der Arnoldstraße einen Besuch abstatten zu dürfen.


Die Auszubildende Lena arbeitet gerade an ihrem Gesellenstück, einer Hose für ihren Stiefvater

Die Auszubildende Lena arbeitet gerade an ihrem Gesellenstück, einer Hose für ihren Stiefvater

Dort auf einer Atelieretage arbeiten fünf Gewandmeister und Hutmacher an den exklusivsten Kostümen, die auf Europas Bühnen und im Film getragen werden. Thorsten Schön führte ein neugieriges kleines Grüppchen von Interessierten durch die Räume und erzählte von seiner Arbeit mit internationalen Künstlern. Schon länger als 20 Jahre ist er im Geschäft und hat unzählige Outfits gefertigt.

Neben großen Filmproduktionsfirmen, Werbe- und Eventagenturen und Fernsehsendern sind auch die Salzburger Festspiele in Österreich, De Nederlandse Opera in Amsterdam und die Hamburgische Staatsoper regelmäßige Auftraggeber von Hüte & Kostüme. Überall wo historische Kostüme aus den vergangenen Jahrhunderten getragen werden, ist das herausragende Expertenwissen dafür in der Arnoldstraße gefragt. Sei es für den Film „Jud Süß“ oder eine Wagneroper, das Spektrum der Arbeiten ist riesig.


Schneiderpuppe, Stoffe und jede Menge Glitzerperlen gehören in die Anprobestube der Gewandmeister

Schneiderpuppe, Stoffe und jede Menge Glitzerperlen gehören in die Anprobestube der Gewandmeister

Das meiste ist Handarbeit – gefertigt wie vor hunderten von Jahren. Das geübte Auge, versichert Schön, kann den Unterschied zur Maschinennaht auch aus der Entfernung sofort erkennen. Wahrscheinlich spürt auch der Künstler, wie echt und authentisch sich das Kostüm anfühlt und profitiert davon bei seiner Arbeit.

Natürlich kommen die Stoffe nicht von der Stange im Kaufhaus, sondern von ganz speziellen Produzenten, die zum Teil über Jahrzehnte das gleiche Sortiment garantieren. Denn sollte ein Stück am Theater nach vielen Jahren wieder ins Programm aufgenommen werden, sind oft Änderungen an den eingelagerten Kostümen nötig. Tierkostüme nähen die Gewandmeister auch oft und gern. Thorsten Schön ist froh, dass es so viele gute Kunstpelze gibt, denn nur höchst ungern würde er echte Tiere für die Kunst sterben lassen.

Wir Besucher bestaunten die märchenhaften Entwürfe und Materialien und auch die exotische Handwerkskunst, die hier im Dorf beheimatet ist.

Viktoria Urmersbach

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