Zimmer frei für Obdachlose in Ottensen

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Bischöfin Kirsten Fehrs zeigt die renovierten Zimmer im Obdachlosenheim am Klopstockplatz in Ottensen (Bild: M. Hernandez)

Bischöfin Kirsten Fehrs zeigt die renovierten Zimmer im Obdachlosenheim am Klopstockplatz in Ottensen (Bild: M. Hernandez)

Zwei Betten, ein Tisch mit zwei Stühlen, ein Kühlschrank und ein eigenes Badezimmer. Große Fenster mit weißen Gardinen und sogar ein Balkon. So sehen die Zimmer aus, die die Obdachlosen ab Mitte der Woche im ehemaligen Alten- und Pflegeheim beziehen. Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) und Nordelbiens Bischöfin Kirsten Fehrs stellten am Montag die neue Winter-Notunterkunft im Rumond-Walther-Haus am Klopstockplatz vor. „Hier haben wir 40 weitere Schlafplätze geschaffen. Auch wenn es sehr kalt wird, sind wir für den Winter ausreichend gerüstet“, sagte Scheele. Nachdem es im vergangenen Jahr Probleme gab, während des langen, strengen Winters alle Obdachlosen ausreichend zu versorgen, ist das diesjährige Winter-Notprogramm laut Scheele sehr gut aufgestellt.


Insgesamt stehen in Hamburg rund 400 Schlafplätze zur Verfügung, etwa 150 mehr als im vergangenen Jahr. Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer von der Obdachlosenhilfe Hinz & Kunzt sieht dem Winter allerdings immer noch skeptisch entgegen: „Es ist großartig, nun wieder 40 weitere Schlafplätze für Menschen ohne Dach über dem Kopf zu haben, trotzdem glaube ich nicht, dass es ausreichen wird.“


Mit den Bedingungen für die Obdachlosen im Rumond-Walther-Haus ist er jedoch sehr zufrieden. Auf drei Etagen befinden sich 19 Zimmer und zwei Gemeinschaftsküchen. Hauptsächlich sollen Frauen, Paare und ältere Menschen einen Platz nicht nur für eine Nacht, sondern für den gesamten Winter in der neuen Unterkunft finden. „Wir sind sehr froh, dass wir diese zusätzliche Möglichkeit gefunden haben. Die Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinde und Sozialbehörde lief einwandfrei“, sagte Scheele.


Ideengeber für das Projekt war Jörg Lindner, Geschäftsführer des Projektentwicklers EvaBau-West. Er wusste, dass das Gebäude schon etwa vier Monate leer stand, und empfahl es dem Kirchenkreis Ottensen. „Es lag nahe, das Gebäude für diesen Zweck zu nutzen“, sagte er. Der Kirchenkreis schlug der Sozialbehörde vor, das Gebäude mietfrei zu nutzen. Der Träger des Projektes „fördern und wohnen“ hat einen Nutzungsvertrag abgeschlossen und stellt das Personal. „Außerdem wird rund um die Uhr ein Wachdienst anwesend sein“, sagte Jan Wrzeszcz, Regionalleiter von „fördern und wohnen“. Die Kosten dafür trägt die Sozialbehörde. Das Gebäude am Klopstockplatz soll hauptsächlich zur Entlastung der Obdachloseneinrichtung an der Spaldingstraße dienen. Diese Unterkunft hat mit zurzeit etwa 230 Bewohnern seine Kapazitätsgrenze erreicht. Zusätzlich gehen in der Sozialbehörde massive Beschwerden der Anwohner ein. Seit der Eröffnung der Winter-Notunterkunft im November seien die Zustände katastrophal. „Überall liegt Müll, und es riecht nach Urin. Ich kann meine Töchter abends nicht mehr allein auf den Hof lassen, da sie sonst mit obszönen Bemerkungen belästigt werden“, sagte Marcus Ben Fuchs, der nahe dem Obdachlosenhaus in der Spaldingstraße wohnt. Schon vor einer Woche sei den Anwohnern von der Sozialbehörde versprochen worden, dass die Stadtreinigung alle zwei Tage fegt und der Polizeieinsatz dort aufgestockt wird. „Nichts ist seitdem passiert.“ Er ist empört über die aktuelle Situation.


Um den Anwohnern die Möglichkeit zu geben, ihre Probleme zu schildern, riefen Klaus Stürmann und Günter Westphal der Stadtteilinitiative Münzviertel ein Quartierstreffen ein. Bettina Prott, Abteilungsleiterin der Wohnungslosenhilfe und öffentliche Unterbringung in der Sozialbehörde, versprach gestern Abend, dass die Stadtreinigung ab Donnerstag zwei Extra-Schichten einsetzt, um für Sauberkeit zu sorgen. Doch das ist den aufgebrachten Anwohnern nicht genug. Sie klagen über sexuelle Belästigung, Körperverletzung, Einbruchsversuche und Angst, allein aus dem Haus zu gehen. Viele fordern einen Wachdienst, der rund um die Uhr die Straßen und auch die Hausflure kontrolliert, sowie die tägliche Säuberung des ganzen Viertels. Oder die Zahl der Obdachlosen solle auf rund 60 statt 230 beschränkt werden.


Rund um das Rumond-Walther-Haus in Ottensen soll es so weit gar nicht erst kommen. „Bisher haben wir aus der Nachbarschaft ein durchweg positives Echo gehört“, sagte Christiane Winter, Vorsitzende des Kirchenkreises Ottensen.


Kira Petersen

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