Vom Einzelhändler zum Cocktailkönig

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Dieser Mann ist auch eine Marke: Uwe Christiansen steht hinter der Theke, auf dem Tresen sein selbst kreierter Likör mit seinem Konterfei (Bild: P. Piel)

Dieser Mann ist auch eine Marke: Uwe Christiansen steht hinter der Theke, auf dem Tresen sein selbst kreierter Likör mit seinem Konterfei (Bild: P. Piel)

Die Wiege des Erfolgs von Uwe Christiansen ist ein umgebautes Spielzimmer im Keller seines Elternhauses in Hohenwestedt. Das ist ein Städtchen mit rund 4000 Einwohnern in der Nähe von Itzehoe, das böse Zungen wohl ein Kaff nennen würden. Dort baute sich der damals 18-Jährige eine Kellerbar und begann die ersten Cocktails zu mixen: „Da mein Vater einen Supermarkt hatte, kam ich auch schon damals gut an exotische Getränke ran“, sagt Uwe Christiansen lächelnd.

Seinen ersten Cocktail hatte er übrigens auf Gran Canaria an der Hotelbar getrunken: „Ich glaube, es war ein Piña Colada.“ Das dürfte etwa 35 Jahre her sein, und heute gehört der 51-Jährige längst zu den bekanntesten Barkeepern Deutschlands. Seit 1997 führt er das „Christiansens“ am Pinnasberg. Das Lokal hat so ziemlich alle Auszeichnungen erhalten, die die Branche zu vergeben hat. Im August dieses Jahres wurde die Bar zum dritten Mal mit dem Gastro Award in der Kategorie „Bar & Lounge“ ausgezeichnet. „Natürlich freue ich mich über diesen Erfolg. Denn diese Bar ist mein Leben, hier fühle ich mich einfach wohl“, sagt Christiansen. Am liebsten steht der gebürtige Dürener hinter der Theke und mixt Klassiker wie den „St.-Pauli-Killer“ – der wird mit 73-prozentigem Rum gemixt und ist somit nicht gerade ein Softdrink.

Bei Uwe Christiansen dreht sich eigentlich alles um Cocktails. Das war aber nicht immer so, denn zunächst hat er etwas „Anständiges“ gelernt – und in Itzehoe eine Lehre zum Lebensmittel-Einzelhandelskaufmann absolviert. Anfang der 80er-Jahre machte er sich auf nach Südafrika und wurde dort Supermarktmanager. Doch direkt neben seiner damaligen Wohnung in Durban war eine angesagte Cocktailbar. Dort stand Frank Helmboldt – die beiden sind heute noch befreundet – hinter dem Tresen und wurde zu seinem Lehrmeister. Gemeinsam gingen sie nach Kapstadt, und dort im Charlie Parkers wurde Christiansen zum Cocktailprofi. Nach der Zeit in Südafrika folgten zahlreiche Stationen. Auf Kreuzfahrtschiffen wie der „Queen Elizabeth“ arbeitete er als Barchef. „Die Kombination aus Arbeiten und die Welt entdecken ist perfekt“, schwärmt er.

Aber irgendwann ging es zurück an Land. Dann kreuzte Theatermacher Corny Littmann seinen Weg und Uwe Christiansen wurde der Barchef in Angie’s Nightclub über Schmidts Tivoli am Spielbudenplatz. „Das war eine spannende Zeit“, meint Christiansen – doch irgendwann wollte er nicht mehr für andere arbeiten. Und dann wurde ihm das damalige Knickerbocker am Pinnasberg angeboten. „Ich habe mir Geld bei der Bank geliehen, den Laden renoviert und dann ging es los.“ Es wurde ein Erfolg, auch nach 14 Jahren gehört das Christiansens noch immer zu den angesagtesten Bars in Hamburg – mit entsprechend hoher Prominenten-Dichte. Darunter Basketballstar Dirk Nowitzki oder die Sängerin Pink. Mit Panikrocker Udo Lindenberg hat Christiansen auch schon den einen oder anderen Eierlikör gekippt.

Aus dem Barkeeper ist längst so etwas wie eine eigene Marke geworden: Christiansen hat einen eigenen Likör kreiert, es gibt Merchandising-Artikel wie Polohemden. Und das kann anstrengend sein. Sein Arbeitspensum – ihm gehören auch die Bar Cabana und Das Herz von St. Pauli – dürfte bei etwa 60 Stunden in der Woche liegen. Seine Freundin Yvonne, eine Marketingexpertin, kam da manchmal etwas zu kurz. Vergangenheit – denn die beiden ziehen jetzt zusammen. Das Paar hat sich eine großzügige Altbauwohnung am Fischmarkt gemietet: „Wir machen uns gerade über die Einrichtung Gedanken. Also das Schlafzimmer soll maritim gestaltet werden und das Wohnzimmer im Kolonialstil.“ Aber bis alles fertig ist, dürfte es noch ein wenig dauern. Denn jetzt steht erst mal die Vermarktung seines Buches „Mixed Emotions – Christiansens Cocktailrezepte für jede Gefühlslage“ auf dem Programm.

Und sein Fernweh? Wird nächstes Jahr gestillt. Das Paar will sich eine Fernreise gönnen. Wahrscheinlich per Schiff. Und dort auf der Gästeseite der Bar. Apropos: „Mein Traum wäre ein eigenes Kreuzfahrtschiff, am besten mit Udo Lindenberg als Entertainmentdirektor“, sagt Christiansen.

Ulrich Gaßdorf

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