Putzfrau soll Millionen-Testament gefälscht haben

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Eine 60-Jährige steht wegen Urkundenfälschung vor Gericht (Bild: pa)

Eine 60-Jährige steht wegen Urkundenfälschung vor Gericht (Bild: pa)

Der Fall mutet seltsam an. Immerhin „ungewöhnlich“ findet Strafverteidiger Udo Jacob die Geschichte, die er im Namen seiner Mandantin vorträgt: Monika T., 60, findet verstreut in ihrem Garten an einem verschneiten Tag Ende Januar 2009 Dokumente, darunter auch ein Testament, das sie als Alleinerbin des Fünf-Millionen-Euro-Nachlasses ihres Ex-Lebensgefährten Jürgen B. ausweist. Sie reicht die Unterlagen beim Amtsgericht ein. Wenig später erweisen sie sich als mehr oder minder plumpe Fälschung.

Für die mutmaßliche Erbschleicherin hat der Fall ein Nachspiel. Seit gestern verhandelt das Amtsgericht Altona. Angeklagt ist sie wegen Urkundenfälschung. Die Frau streitet den Vorwurf ab, und ihre Verteidiger glauben ohnehin, dass hier die Grenze zur Strafbarkeit nicht überschritten ist: Monika T. habe die Unterlagen nur eingereicht, um ihre Echtheit überprüfen zu lassen – und nicht in Täuschungsabsicht.

Erblasser Jürgen B. war ein wohlhabender Mann, ihm gehörten Häuser im Schanzenviertel und Niendorf. 2001 begann die Beziehung mit Monika T., drei Jahre später zerbrach sie, weil die griechischstämmige Frau einen anderen Mann heiratete. Danach beschäftigte er sie als Putzfrau. An Krebs erkrankt, kam er im November 2005 ins Krankenhaus, wo er im Beisein seines Anwalts ein Testament abfasste, in dem er einer noch zu gründenden Stiftung für Tierpflege sein Vermögen vermachte. Anfang Dezember 2005 starb Jürgen B. – da ging der Rechtsstreit los.

Unter ähnlich kuriosen Bedingungen wie 2009 tauchten bereits Anfang 2006 Unterlagen auf, die Monika T. als angebliche Alleinerbin auswiesen – damals hingen sie in einer Tüte an der Klinke ihrer Wohnungstür. Vergeblich mühte sie sich, das am Krankenbett mit Anwalt verfasste Testament anzufechten. Dessen Wirksamkeit wurde 2008 in letzter Instanz vom Oberlandesgericht bestätigt. „Ich glaubte, damit hätte es sich“, sagte der als Zeuge geladene Testamentsvollstrecker aus. Doch als er von den angeblichen Funden im Januar 2009 erfuhr, erstattete er Strafanzeige. „Ich dachte sofort an eine Räuberpistole“. Der Prozess geht weiter. (dah)

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