Ottensen: Was wird aus dem „Markt im Tunnel“?

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Der "Markt im Tunnel" hat sich seit zehn Jahren fest im Altonaer Bahnhof etabliert (Bilder. A. Göhler)

Der "Markt im Tunnel" hat sich seit zehn Jahren fest im Altonaer Bahnhof etabliert (Bilder. A. Göhler)

Seit zehn Jahren gibt es den kleinen Markt in der Fußgängerunterführung zwischen Altonaer Bahnhof und Neuer Großer Bergstraße. Für viele Bürgerinnen und Bürger gehört er zum festen Bestandteil von Altona.

Winfried Schmanns, 47, Vermieter und Sprecher der Händler im „Markt im Tunnel“, erinnert sich an die Zustände, als es den Markt noch nicht gab: „Der Tunnel war belagert von einem wilden Flohmarkt. Fußgängern war es nahezu unmöglich, ihn zu passieren“, sagt Schmanns. Immer wieder sei es zu Problemen mit angetrunkenen „Punkern“ und Obdachlosen gekommen.

Mit Hilfe des Verbraucherschutzamtes, des behördlichen Ordnungsdienstes, der Polizei und dem Engagement der Händler seien diese Probleme weitestgehend eingedämmt worden, so Schmanns. Die Händler haben einen offiziellen Mietvertrag und verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf der Ware auf dem ‚Markt im Tunnel‘. „Natürlich gibt es immer noch ‚Punks‘ und Obdachlose – es ist aber erträglich“, sagt er.


Sevda Kilicaslan, 39, verkauft seit etwa zwei Jahren Obst und Gemüse auf dem Markt. Sie ist sehr zufrieden

Sevda Kilicaslan, 39, verkauft seit etwa zwei Jahren Obst und Gemüse auf dem Markt. Sie ist sehr zufrieden

Neben Obst und Gemüse verkaufen die sieben Händler unter anderem Schuhe, Kleidung, Unterwäsche, Shishas, Modeschmuck und Nachfülltinte. Außerdem findet sich auf dem „Markt im Tunnel“ ein Nagelstudio. In der Händler-Gemeinschaft leben und arbeiten Menschen aus den unterschiedlichsten Nationalitäten zusammen.

Mit der geplanten Niederlassung des schwedischen Möbelkonzerns Ikea ist die Weiterbewirtschaftung des Tunnels jedoch noch ungewiss. Franziska Grunwaldt, wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU, sagte in einer Pressemitteilung der CDU, dass die Bewirtschaftung des Tunnels langfristig gewährleistet sein müsse, um Sicherheit und Ordnung nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen.

Kalender Nergiz, 56, verkauft seit acht Jahren Schuhe auf dem "Markt im Tunnel"

Kalender Nergiz, 56, verkauft seit acht Jahren Schuhe auf dem "Markt im Tunnel"

Entsprechend bringt die CDU-Fraktion in die kommende Sitzung der Bezirksversammlung am Donnerstag, den 25. August, einen Antrag ein, mit dem das Bezirksamt aufgefordert wird, die Verhandlungsbemühungen um einen Bewirtschaftervertrag zu verstärken und potenzielle Bewerber zu sondieren.


Michael Jaindl, 45, der Firma "Qräx" verkauft Nachfülltinte. "Viele Kunden wenden sich mit ihren Druckern seit Jahren vertrauensvoll an uns", sagt Jaindl

Michael Jaindl, 45, der Firma "Qräx" verkauft Nachfülltinte. "Viele Kunden wenden sich mit ihren Druckern seit Jahren vertrauensvoll an uns", sagt Jaindl

Wilfried Schmanns ist besorgt um den Arbeitsplatz der Händler. Sie bekämen momentan nur Halbjahresverträge, erzählt er. „Sieben Händler und etwa 15 Mitarbeiter arbeiten hier täglich – zum Teil bereits seit zehn Jahren. Sie haben sich ein festes Standbein aufgebaut.“ Verärgert fügt er hinzu: „Es heißt immer, dass die kleinen Unternehmer gefördert werden müssen. Dann kommt so ein Riese wie Ikea und alle Versprechen sind hinfällig.“

Simone Settegren, Ikea-Pressesprecherin, distanziert sich jedoch von einer geplanten Nutzung des Tunnels: „Wir haben kein Interesse an der Nutzung, wir werden uns aber finanziell an einer Neuerung beteiligen. Es gibt von unserer Seite auch keine Einwände gegen die Marktstände.“

Sven Hielscher vom Planungsausschuss des Bezirks erklärt, dass momentan ein städtebaulicher Wettbewerb laufe, an dem drei Architektenbüros aus Hamburg teilnähmen. Vorwiegend ginge es dabei um die Gestaltung der beiden Flächen vor den Tunnelmündern, so Hielscher. Im September entscheide dann eine Jury, welcher Entwurf in Frage käme. Welcher potenzielle Bewerber jedoch jene Rahmenbedingungen letztlich umsetzen werde, sei noch völlig offen, sagt Hielscher.

Die Händler hoffen nun, dass die Bezirksversammlung einen Entschluss fasst, der die Nutzung der Fläche als Marktplatz in den Planungen zur Sanierung der Fußgängerunterführung und der umliegenden Flächen berücksichtigt. Das könne zum einen ihre Existenz als Händler wahren und zum anderen die Probleme im und um den Tunnel im Rahmen halten, so Händler-Sprecher Schmanns.


Alisa Göhler

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Ein Kommentar zu Ottensen: Was wird aus dem „Markt im Tunnel“?

  1. Holger S. sagt:

    Dieser Tunnel ist einfach ein Schandfleck. Die an den Ständen angebotenen Waren gibt es bereits mehrfach in der Großen Bergstr. und der Ottenser Hauptstr, sowie dem Mercado. Sie sind also mehr als überflüssig. Der Tunnel sollte geräumt und renoviert werden, mit vernünftiger Beleuchtung ausgestattet und den Fußgängern wieder großflächig zugängig gemacht werden. Wenn sich dann auch der BOD der Sache einmal annehmen würde, anstatt alte Omis mit nicht angeleinten Hunden zu jagen, dann würde sich der Vandalismus wohl auch in Grenzen halten.

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