Frauenberatungsstelle biff: Ansprechpartner für Frauen in allen Lebenslagen

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biff-Beraterin Ulrike Henle-Flamme (l.) bei der Arbeit: Viele Frauen die sich an die Beratungsstelle wenden sind Opfer von Gewalt (Bilder: T. Konieczny)

biff-Beraterin Ulrike Henle-Flamme (l.) bei der Arbeit: Viele Frauen, die sich an die Beratungsstelle wenden, sind Opfer von Gewalt (Bilder: T. Konieczny)

Ob Trennung, Gewalterfahrungen, Arbeitslosigkeit oder Einsamkeit: Der Beratungsbedarf von Frauen in schwierigen Lebenssituationen ist immer noch so hoch wie vor 17 Jahren. Das ist eine Erfahrung von Regine Karrock, 57, nach 17 Jahren Beratungstätigkeit bei der biff (Beratung und Information für Frauen) in Eimsbüttel. „Am häufigsten wenden sich Frauen an uns im Falle einer Trennung oder einer Scheidung, bei Konflikten am Arbeitsplatz oder bei psychischen Belastungen und Erkrankungen“, erzählt sie. Fünf Beraterinnen, die alle eine therapeutische Ausbildung absolviert haben, arbeiten derzeit bei der Beratungsstelle in Eimsbüttel, sagt Karrock, Diplom-Sozialpädagogin, Kinder-und Jugendlichen Psychotherapeutin und Systemische Supervisorin. Die biff gibt es in Eimsbüttel, Winterhude und in Harburg. Die drei Beratungsstellen arbeiten jedoch völlig unabhängig voneinander. „Uns unterscheidet von anderen Beratungsstellen, dass wir den Frauen eine besonders umfassende Beratung anbieten können“, erklärt Regine Karrock. Die biff sei nicht auf bestimmte Problematiken, wie sexuelle Gewalt oder Traumata, spezialisiert, sondern helfe bei einer großen Bandbreite von unterschiedlichen Problemen, sagt sie. Dazu gehören zum Beispiel Arbeitslosigkeit, Konflikte in der Partnerschaft und in der Familie oder Einsamkeit.

Der erste Kontakt zwischen den Frauen und der biff entstehe meist am Telefon, erzählt die Beraterin. Danach gebe es unterschiedliche Möglichkeiten den Frauen zu helfen. In der Einzelberatung versuchen die Beraterinnen herauszufinden, wie sie der Frau am besten helfen können. „Einige benötigen nur eine bestimmte Information, zum Beispiel über das Scheidungsrecht oder über Psychotherapien. Andere jedoch brauchen eine begleitende Unterstützung“, sagt Karrock. In diesem Fall bietet die biff ein Kriseninterventionsprogramm an. Dieses besteht aus zehn Einzelgesprächen, in denen jeweils eine Beraterin die Frau bei der Verarbeitung eines Problems begleitet und unterstützt. Karrock zufolge sind im Durchschnitt etwa sieben solcher Gespräche nötig. Dann seien die meisten Frauen stark genug, um ihre Probleme alleine zu lösen oder sie werden an eine spezialisierte Beratungsstelle vermittelt, sagt sie.


Bei der biff-Beratungsstelle in Eimsbüttel erhalten Frauen Info-Material zu unterschiedlichen Themen, wie Mobbing, häusliche Gewalt oder Mietrecht

Bei der biff-Beratungsstelle in Eimsbüttel erhalten Frauen Info-Material zu unterschiedlichen Themen, wie Mobbing, häusliche Gewalt oder Mietrecht

Die enge Zusammenarbeit mit spezialisierten Beratungsstellen sei sehr wichtig, betont Karrock. Neben den Einzel- und Krisengesprächen haben Frauen auch die Möglichkeit, an verschiedenen Gruppenberatungen teilzunehmen. „Es gibt zum Beispiel Gruppen für psychiatrieerfahrene Frauen oder für Frauen, die sich getrennt haben oder die rund um das Thema Job sprechen wollen“, erklärt Karrock. Zudem organisiert die biff jeden Montag ein offenes Frühstück, an dem alle Frauen teilnehmen können. Ziel sei es, die Frauen aus ihrer Isolation zu locken und sie mit anderen in Kontakt zu bringen. Dies fördere die Solidarität untereinander und das Selbstbewusstsein der Frauen, so Krarrock. „Die Resonanz ist jedes Mal sehr groß. Denn die Frauen merken, dass sie nicht allein sind“, sagt sie.

Alle Beratungen und Veranstaltungen sind kostenlos und anonym, betont sie. Finanziert wird die biff in Eimsbüttel, die vor 32 Jahren gegründet wurde, von der Hamburger Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Integration und durch Spenden. Die Frauen können selber entscheiden, ob und wie viel sie für die Beratung bezahlen möchten. „Zu uns kommen viele Frauen, die an der Armutsgrenze leben sich eine kostenpflichtige Beratung nicht leisten könnten“, sagt Karrock.


Frauen aller Altersklassen können sich bei der biff kostenlos und anonym beraten lassen

Frauen aller Altersklassen können sich bei der biff kostenlos und anonym beraten lassen

Die Hemmschwelle die biff aufzusuchen sei für viele sehr hoch, fügt sie hinzu. Daher bringen junge Frauen und Migrantinnen oft eine Freundin zur Unterstützung mit. „Zu uns kommen Frauen aller Altersklassen und aus allen sozialen Schichten“, erklärt Karrock. Den größten Anteil bilden die 30 bis 55-Jährigen, sagt sie. Besonders bedrückend ist für die biff-Beraterin die Tatsache, dass der Anteil an gewalterfahrenen Frauen immer noch sehr hoch ist. „Ich dachte, wir wären in unserer heutigen Gesellschaft weiter“, sagt sie. Zudem werden Frauen auch heute noch im Job oft schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen, so Karrock. Karrieremäßig seien Frauen leider immer noch nicht gleichberechtigt.

Es gibt jedoch auch eine Reihe von neuen Problemen mit denen Regine Karrock heute konfrontiert wird. So würden heutzutage viele junge Mädchen die biff aufsuchen, weil sie durch KO-Tropfen zum Opfer sexueller Gewalt geworden sind, erklärt Karrock. Zudem klagen einige Frauen über Beziehungsprobleme, weil ihr Partner sich häufig pornographisches Material im Internet anschaut. Ein weiteres Phänomen sei die Online-Spielsucht einiger Frauen oder von deren Partnern, sowie die Wohnsituation in Hamburg. „Viele Frauen trauen sich nicht, sich von ihren Männern zu trennen, weil die Wohnungen in Hamburg einfach zu teuer sind. Bezahlbarer oder gar günstiger Wohnraum ist hier ein echtes Problem“, stellt die Beraterin fest.


Tatjana Konieczny


biff Eimsbüttel/Altona, Bogenstraße 2, Telefon 040/436399 oder 040/396762

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