Aus für „Givebox“ an der Langenfelder Straße?

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Verschenken statt wegwerfen oder verkaufen, das ist das Prinzip der "Givebox" (Bilder: airbnb)

Verschenken statt wegwerfen oder verkaufen, das ist das Prinzip der "Givebox" (Bilder: airbnb)

Im August hatten Anwohner eine „Givebox“, ein Zwischending aus einer anonymen Geschenkbox und einem mobilen Umsonstladen, an der Langenfelder Straße aufgestellt – allerdings ohne die erforderliche Sondergenehmigung.

Als die Betreiber den offiziellen Antrag nun nachreichten, wurde ihnen die Erlaubnis vom Bezirksamt verweigert.

Das Konzept der Givebox stammt aus Berlin. In einer schrankähnlichen Holzbude können Gegenstände, die nicht mehr gebraucht werden und zum Wegwerfen zu schade sind, abgelegt werden. Wer sich für die Objekte interessiert, kann sich bedienen. Die Nutzer kümmern sich dabei selbst um Gestaltung und Unterhalt der Givebox.


Seit August steht auch eine  "Givebox" an der Langenfelder Straße in Altona.

Seit August steht auch eine "Givebox" an der Langenfelder Straße in Altona.

„Giveboxen“ langfristig etablieren

„Für die Ablehnung der Sondernutzung war begründend, dass das Aufstellen derartiger Holzboxen im öffentlichen Raum eine nicht zu unterschätzende Brandlast darstellen würde“, betont die Sprecherin des Bezirksamts, Kerstin Godenschwege, auf Anfrage. „Außerdem wird die Vermüllung solcher Plätze als problematisch angesehen.“

Airbnb, ein Hamburger Internet-Dienstleister, der die Giveboxen überall in Deutschland logistisch unterstützt, will jetzt Einspruch gegen die Entscheidung des Bezirksamts einlegen. „Wir können die Sorgen der Behörde teilweise nachvollziehen“, meint Mitarbeiter Moritz Döring. „Allerdings glauben wir, dass wir einen gemeinsamen Weg finden können, um die Giveboxen langfristig zu etablieren.“

Vermüllung und Brandgefahr

Die Nutzer hätten bislang eine Vermüllung selbst verhindert. „In den Gemeinden wurde das Prinzip unglaublich positiv aufgenommen“, meint Döring. „Uns ist ein einziger Fall bekannt, wo jemand seinen Müll in einer Givebox entsorgt hatte. Bereits am Tag danach hatten Menschen aus der Nachbarschaft aber schon wieder alles in Ordnung gebracht.“

Zur Brandgefahr unterstreicht Moritz Döring, dass ein Feuerlöscher bei jeder Givebox das Problem einfach lösen könnte. „Zudem haben wir die Zusage, eines benachbarten Kioskbesitzers an der Langenfelder Straße, dass er ein Auge auf die Givebox werfe.“

„Das Bezirksamt hatte im Antwortschreiben zudem darauf hingewiesen, dass es bereits
existierende Recycling-Angebote, wie die Stadtreinigung Hamburg und Second Hand-Shops gebe“, erzählt Moritz Döring. „Für uns ein klares Zeichen, dass die Behörde das Prinzip nicht verstanden hat. Uns geht es weder darum, die Sachen zu zerstören, noch darum, sie zu entsorgen und schon gar nicht darum, sie zu verkaufen.“

Lösung nach Münchner Art

Bis Januar glauben die Betreiber eine gemeinsame Lösung mit dem Bezirksamt finden zu können. „Notfalls besteht immer noch die Möglichkeit, die Givebox auf privatem Grund aufzustellen“, erklärt Döring. – „Das wurde genauso auch am Viktualienmarkt in München gemacht“, ergänzt Airbnb-Sprecherin Lena Sönnichsen. „Dort hat ein Hotelier sich bereit erklärt, die Givebox auf seinem Grundstück aufzunehmen.“ Ein Weg, der auch in Hamburg-Altona eingeschlagen werden könnte.

Provisorisch und auch nur bis Januar hat Kioskbesitzer Aichan Tziantirma der Givebox Asyl gewährt. Der weiße Holzkasten steht nun auf privatem Terrain vor seinem Bio-Kiosk an der Ecke der Langenfelder Straße mit der Arnkielstraße. „Ich finde die Idee der Givebox sehr gut und unterstütze sie gerne“, betont Tziantirma. „Mein Bruder und ich, wir passen darauf auf, dass alles sauber und ordentlich bleibt. Das klappt bislang sehr gut.“

Dauerhaft will er die Givebox aber auch nicht vor seinem Geschäft stehen haben. „Ich will nicht die Verantwortung tragen, wenn dann doch einmal etwas passieren sollte“, unterstreicht Aichan Tziantirma. Deshalb hoffe er auf eine baldige und positive Entscheidung des Bezirksamts.

Steve Remesch


Mehr zur Givebox an der Langenfelder Straße 58 gibt es auf Facebook-Seite Givebox Hamburg-Clubkinder

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Ein Kommentar zu Aus für „Givebox“ an der Langenfelder Straße?

  1. Dann drücke ich den Kollegen aus Hamburg mal ganz fest die Daumen. Wenn in Richtung Privatgelände gedacht wird, könnte auch die Kirche ein Ansprechpartner mit offenen Ohr sein.

    Ich bin froh, dass wir in Siegen den umgekehrten Weg gegangen sind: Erst zum Amt und dann bauen. Auf diese Weise hatten wir für die Genehmigung bessere Karten, was sich am Ende ja auch ausgezahlt hat.

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