Aufbruch dank Ikea: Mittagstisch mit Baustellenblick

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Auf dieser Baustelle an der Großen Bergstraße in Altona entsteht die Ikea-Filiale (Bilder: H. Jacobs)

Auf dieser Baustelle an der Großen Bergstraße in Altona entsteht die Ikea-Filiale (Bilder: H. Jacobs)

Der Riese wird kommen. Ikea kommt nach Altona. Die erste Innenstadtfiliale des schwedischen Möbelhauses kommt nach Hamburg. Knapp zwei Jahre vor der Eröffnung des Komplexes ist es laut an der Großen Bergstraße an diesem sonnigen Mittag. Die 10.000 Quadratmeter große Baustelle direkt neben der Fußgängerzone wirkt wie ein riesiges Monster, dass sich auf der Fläche zwischen dem Bahnhof Altona und dem jüdischen Friedhof an der Königsstraße breitgemacht hat. Die Bagger rollen und die Kräne rotieren, doch stören lassen sich die Menschen in der Einkaufsstraße davon nicht. Im Gegenteil. Entspannt sitzen die Gäste in den zahlreichen Lokalen gegenüber der Baufläche. Der Baustellentourismus lockt zahlreiche Schaulustige in die Fußgängerzone – zur Freude der Gastronomie-Betreiber.


Kirstin da Rold betreibt das Eiscafé "Filippi"

Kirstin da Rold betreibt das Eiscafé "Filippi"

„Für mich ist das wie ein Bingo“, sagt Kirstin da Rold. Die Inhaberin des Eiscafés „Filippi“ hat lange für den Bau des Möbelhauses gekämpft. „Wir haben Unterschriften gesammelt wie die Berseker“, sagt die 46-Jährige. Jetzt spricht sie bereits von einem Publikumswechsel, den die verfallene Straße erlebt. „Hier gab es nichts mehr, fast schon ein zweites Mümmelmannsberg“, sagt da Rold, die vor sechs Jahren das 1956 eröffnete Geschäft übernahm. Der Baulärm stört sie und ihre Gäste nur wenig: „Ich bin angenehm überrascht“. Trotz Krach und Staub an der Baustelle spürt sie den Wechsel im Viertel, das Interesse der Menschen kehre zurück, sagt sie.


Im Feinkostladen "Laib und Liebe" herrscht Hochbetrieb

Im Feinkostladen "Laib und Liebe" herrscht Hochbetrieb

Ähnlich sieht es Tanja Pompe vom Feinkostladen „Laib und Liebe“ wenige Meter weiter. Als die 43-Jährige vor einem Jahr ihr Geschäft eröffnete, wusste sie noch gar nichts von Ikea in Altona. Warnungen ihrer Freunde ignorierte sie. Nun freut sie sich fast schon auf die Eröffnung: „Man spürt die Aufbruchsstimmung und die kollektive Neugier“. Die Tische vor ihrem Laden sind alle besetzt, obwohl direkt nebenan die Maschinen walzen. Im ersten Stock des Lokals sitzen die Gäste und gucken direkt auf das riesige Bauloch. Mittagstisch mit Baustellenblick.


Pompes Geschäft boomt. Dabei ist der Möbelriese aus Schweden noch gar nicht da. Nach Jahren des Verfalls wird das Viertel wieder schick. Nicht jedem gefällt das, doch aufzuhalten ist der Wandel nicht. Kirstin da Rold lebt seit 40 Jahren an der Bergstraße. Sie hat miterlebt, wie die einst schicke Gegend „vor die Hunde ging“. Jetzt ist sie dabei, wie die Straße mit neuem Leben erweckt wird. „Wir freuen uns auf das, was kommt“, sagt sie. Trotz Ikea. Aber vor allem auch wegen Ikea.

Die Gäste bei "Laib und Liebe" an der Großen Bergstraße lassen sich vom Baulärm nicht stören

Die Gäste bei "Laib und Liebe" an der Großen Bergstraße lassen sich vom Baulärm nicht stören


Die Ikea-Baustelle misst 11.000 Quadratmeter

Die Ikea-Baustelle misst 11.000 Quadratmeter


Durch dieses Guckloch genießt man freien Blick auf das Baugelände

Durch dieses Guckloch genießt man freien Blick auf das Baugelände


Die Baustelle an der Bergstraße wird von einer langen Reihe aus Holzwänden verdeckt

Die Baustelle an der Bergstraße wird von einer langen Reihe aus Holzwänden verdeckt



Henrik Jacobs

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