„Die Tunnelsanierung ist ein Schildbürgerstreich“

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Derzeit wird der Tunnel von Händlern und Fußgängern genutzt  (Bilder. A. Göhler)

Derzeit wird der Tunnel von Händlern und Fußgängern genutzt (Bilder. A. Göhler)

Die im Zuge der Ikea-Ansiedlung geplante Sanierung des Fußgängertunnels zwischen dem Altonaer Bahnhof und der Neuen Großen Bergstraße steht auf der Kippe. Am 20. Oktober wollen laut Angaben des Bezirksamtes Altona verschiedene Architekten ihre Vorschläge präsentieren – doch schon im Vorfeld werden grundsätzliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Umbaumaßnahmen laut.

Grund dafür sind EU-Richtlinien, die fordern, dass bei einer Sanierung die Steigung der Rampen auf sechs Prozent reduziert werden muss, um Barrierefreiheit zu gewährleisten. Die jetzigen Rampen haben ein Gefälle von acht Prozent.


Klaus-Peter Sydow, Vorsitzender der Interessensgemeinschaft EinkaufsCity Altona (Bild: B. Fabricius)

Klaus-Peter Sydow, Vorsitzender der Interessensgemeinschaft EinkaufsCity Altona (Bild: B. Fabricius)

Klaus-Peter Sydow, Vorsitzender der Interessensgemeinschaft
EinkaufsCity Altona, hält deshalb nichts von einem solchen Umbau. „Die Sanierung und Anpassung der Steigung würde etwa eine Million Euro kosten und nur Ärger verursachen.“ Maßnahmen, die die EU-Richtlinie einbeziehen, würden die Rampe soweit verlängern, dass sie die Neue Große Bergstraße zerteilen würde, so Sydow. „Für die Gewerbetreibenden wäre das sehr schlecht.“

Außerdem stellt er in Frage, dass mit dem Umbau auch wirkliche Barrierefreiheit erreicht werden kann. „Auf der anderen Seite des Fußgängertunnels ist eine Rampe, die noch steiler ist und aus Gründen des Denkmalschutzes nicht verändert werden darf.“ Von Barrierefreiheit könne deshalb so oder so keine Rede sein. „Ich würde das als einen ganz großen Schildbürgerstreich betrachten. Man gibt viel Geld aus für etwas, was nicht nutzbar ist.“

Viele Einzelhändler fordern deshalb eine überirdische Lösung oder die Schließung des Tunnels, in dem bisher täglich ein Markt stattfindet. Sydow, der in der Jury sitzt, die über den Architekturwettbewerb entscheidet, weiß, dass die teilnehmenden Architekten auch überirdische Lösungen vorschlagen wollen.

Am 20. Oktober will das Preisgericht darüber entscheiden. „Die Politik muss den Vorschlag dann prüfen“, sagt Kerstin Godenschwege vom Bezirksamt Altona. „Dass man bei Sanierungen an neue Richlinien gebunden ist, ist normal und nicht zu ändern.“ Bisher gelte es der Beschluss, dass der Tunnel erhalten bleiben soll. „Aber Beschlüsse können ja auch gekippt werden“,so Godenschwege.


Juliane Kmieciak


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